Machbarkeitsstudie - Astrotourismus
Ziel der Studie war es, konkrete Entwicklungsmaßnahmen zu identifizieren, die einerseits einen sanften Tourismus ermöglichen und andererseits die sensiblen Natur- und Lebensräume erhalten. Dazu gehören unter anderem die Auswahl und Ausstattung geeigneter Beobachtungspunkte, der Ausbau barrierearmer Zugänge sowie Informationsangebote zur Orientierung und Wissensvermittlung. Insgesamt wurden 18 Standorte identifiziert, die sich durch gute Erreichbarkeit, geringe Lichtemissionen und weite Sichtachsen auszeichnen.
In der Machbarkeitsstudie wird aufgezeigt, dass die Kyritz‑Ruppiner Heide mit ihrer außergewöhnlichen Dunkelheit, Artenvielfalt und Geschichte ein ideales Ziel für natur- und sterneinteressierte Gäste ist. Die geplanten Maßnahmen schaffen eine balancierte Verbindung von Erholung, Nachhaltigkeit und wissenschaftlicher Dokumentation – geeignet sowohl zur touristischen Ansprache als auch als fundierter Maßnahmennachweis.
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist der angestrebte Antrag auf Anerkennung als offizieller Sternenpark bei der International Dark-Sky Association (IDA). Dieser Prozess ist mit strengen Anforderungen an den Schutz des Nachthimmels, die Öffentlichkeitsarbeit und die nachhaltige Gestaltung der Infrastruktur verbunden. Erste vorbereitende Schritte – wie Lichtmessungen, Öffentlichkeitsbeteiligung und Pilotprojekte – wurden bereits initiiert.
Begleitend zur infrastrukturellen Planung steht auch die Naturbildung im Fokus. Die Heide bietet Lebensraum für zahlreiche gefährdete Arten, die durch gezielte Besucherlenkung, Beleuchtungsvorgaben und Naturschutzkonzepte geschützt werden sollen. Mit dem Heideturm, dem Heide-Erlebnisweg und bestehenden Umweltbildungsangeboten gibt es bereits erste Ankerpunkte für naturverträglichen Tourismus.
Die Studie betont, dass der Sternenpark nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal für die Region schaffen kann, sondern auch eine langfristige wirtschaftliche Perspektive für ortsansässige Betriebe in den Bereichen Beherbergung, Gastronomie und naturbasierte Freizeitangebote bietet. Gleichzeitig erfüllt das Vorhaben ökologische und bildungspolitische Zielsetzungen, was es auch aus öffentlicher Sicht zu einem nachhaltigen Entwicklungsimpuls macht.
Insgesamt belegt die Machbarkeitsstudie, dass die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Sternenpark gegeben sind – unter der Maßgabe, dass der Schutz der Dunkelheit, der Naturraum und die Beteiligung lokaler Akteure weiterhin konsequent umgesetzt werden.
Interessante Daten und Fakten
- Fläche der Kyritz‑Ruppiner Heide: ca. 12.700 ha; davon 4.000 ha als Nationales Naturerbe, über 9.000 ha als FFH‑Gebiet
- 18 potenzielle Beobachtungspunkte wurden identifiziert und sind weiterzuentwickeln zur Sternenbeobachtung
- Der Heideturm: ca. 15 m hoch, erreichbar über 75 Stufen; Aussicht über Heide und Himmel
- künstliche Lichtquellen im Gebiet sind quasi nicht vorhanden – dadurch eine der dunkelsten Regionen Deutschlands
- weltweit gibt es nur rund 200 solcher Dark Sky Places, welche von der IDA anerkannt wurden
- Heide-Erlebnisweg: ca. 14 km freigeräumt und befestigt, mit 11 Informationsstationen zu Natur und Geschichte
- Artenvielfalt: 264 Schmetterlingsarten nachgewiesen, darunter 31 heidetypische Arten; gefährdete Arten wie Heidekraut‑Fleckenspanner wiederentdeckt
- Charakteristische Vogelarten: Brachpieper, Ziegenmelker, Wiedehopf, Heidelerche (insgesamt 28 Vogelarten von besonderer Bedeutung)
Sternenpark bald in der Kyritz-Ruppiner Heide
Offizielle Zertifizierung als Internationaler Sternenpark
Die Kyritz-Ruppiner Heide ist seit Ende 2025 offiziell als Internationaler Sternenpark von der Organisation DarkSky International (DSI) anerkannt. Damit gehört unsere Region zu den wenigen Orten weltweit, an denen der natürliche Nachthimmel in außergewöhnlicher Dunkelheit geschützt wird.
Diese Auszeichnung ist ein wichtiger Meilenstein für den Schutz der Nacht, für den Erhalt der Artenvielfalt und für die Weiterentwicklung des Astrotourismus in der Region. Die Heide zählt zu den dunkelsten Orten Deutschlands, weil es hier nahezu keine künstlichen Lichtquellen gibt – ein seltener Schatz für Sternenbeobachtung und Naturerlebnis.
Im Rahmen der Zertifizierung wurde gemeinsam mit lokalen Partnern eine Beleuchtungs-Richtlinie erarbeitet, um Lichtverschmutzung auch in den Randgebieten weiter zu reduzieren. Zudem sollen in Zusammenarbeit mit dem bestehenden Natur- und Sternenpark Westhavelland künftig Beobachtungsplätze und Besucher-Infrastruktur entstehen – etwa Aussichtsplattformen, Beobachtungsliegen, Polarsternfinder und Informationstafeln.
Regelmäßig geplante Angebote wie Sternenführungen, thematische Wanderungen und Vorträge sollen Besucher:innen die Faszination des Sternenhimmels nahebringen. Gleichzeitig werden lokale Natur- und Landschaftsführer:innen für das Thema Dunkelheit und Lichtschutz weiterqualifiziert.
Mit der Zertifizierung als Sternenpark wird die Kyritz-Ruppiner Heide nicht nur als Naturraum geschützt, sondern auch als attraktives Ziel für natur- und sterneinteressierte Gäste gestärkt.
Stimmen
Ralf Reinhardt, Landrat des Landkreises Ostprignitz-Ruppin:
„Die Anerkennung der Kyritz-Ruppiner Heide als offizieller Sternenpark durch die DSI ist ein großartiger Erfolg, zu
dem ich allen, die am Zustandekommen beteiligt waren, herzlich gratulieren darf. Die Heide im Herzen unseres
Landkreises ist nicht nur ein Ort mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt; der hier besonders dunkle Nachthimmel
ermöglicht es darüber hinaus, die faszinierende Welt der Himmelsbeobachtung erlebbar zu machen, etwa
im Rahmen von Sternenführungen. Mein besonderer Dank gilt dem Naturpark Stechlin-Ruppiner Land sowie den
Mitgliedern der KAG Kyritz-Ruppiner Heide für deren engagierte und konstruktive Beteiligung beim Antragsprozess.
Der künftige Sternenpark in der Kyritz-Ruppiner Heide wird ein Alleinstellungsmerkmal in unserer Heimatregion
sein, welches auch neue Perspektiven im touristischen Bereich öffnet, die es in den kommenden Jahren
weiter zu entwickeln gilt."
Dr. Mario Schrumpf, Leiter des Naturparks Stechlin-Ruppiner Land:
„Die Ausweisung der Kyritz-Ruppiner Heide als Sternenpark ist ein wichtiger Schritt zum Schutz der Nacht in unserem
Naturpark. Sowohl die Menschen in der Region als auch die Tier- und Pflanzenwelt profitieren davon.
Mein Dank gilt dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin für die Initiative zur Ausweisung des Sternenparks als auch Dr.
Andreas Hänel sowie unseren Kolleg:innen im Natur- und Sternenpark Westhavelland für die fachliche Unterstützung
unserer Bemühungen!“
Jochen Paleit, Vorstandsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung:
„Der neue Sternenpark Kyritz-Ruppiner Heide zeigt beispielhaft wie konsequenter Naturschutz auch den Himmel
zurückerobert. Der Wert der dunklen Nacht ohne störenden Einfluss künstlicher Lichtquellen ermöglicht den vielen
seltenen Arten der Kyritz-Ruppiner Heide einen natürlichen Lebensrhythmus und begünstigt die enorme Artenvielfalt
im Gebiet. Wir sind daher hocherfreut über die Ausweisung des Sternenparks und die damit verbundene
Wertschätzung unserer Schutzbemühungen. Wir bedanken uns sehr bei allen Initiatoren, allen voran dem
Landkreis und dem Naturpark und wünschen den Besuchern der Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner
Heide ein eindrückliches Erlebnis des nächtlichen Sternenhimmels in einer deutschlandweit einzigartigen Heidelandschaft.“
Impressionen Zertifizierung
Pressemitteilung des Landkreises OPR
Zukunftspläne Sternenpark
Zertifizierung zum Sternenpark
Impressionen der Naturführung unterm Sternenhimmel
im zukünftigen Sternepark zur Langen Nacht der Perseiden „A bis Z - Astronomie bis Ziegenmelker“